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Predigtblog

Predigt Holocaust Gedenktag 2026
 
“Es fing nicht an mit den Gaskammern. 
Es fing an mit Hass, Ausgrenzung 
und Menschenfeindlichkeit an. 
Es fing nicht an mit Auschwitz. 
Es fing an mit Wegschauen und Gleichgültigkeit.”
Das ist ein berühmtes weitverbreitetes Zitat, 
die Warnung zum Holocaust-Gedenktag.
Die Auswüchse des Antisemitismus im 20. Jahrhundert sind so monströs,
dass man ihre Verwurzelung 
in der alltäglichen Ausgrenzung und Abwertung unter Nachbarn
noch mal besonders wahrnehmen muss.
Menschen machen blöde Witze 
über Schwarze oder Juden, 
über Neuköllner Jungs und Kopftuchmädchen 
und erstaunlich Viele lachen mit.
Rassismus, na und?
Die Kirche, meine Kirche hat einen großen historischen Anteil
an diesen Anfängen, die zu den Vernichtungslagern führten,
durch Religionskriege, Verfolgung und Antisemitismus. 
Auch unser Reformator Martin Luther, 
äußerte sich krass rassistisch über Juden.
Der Predigttext heute stellt uns 
dagegen die Gleichheit 
aller Menschen vor Gott vor Augen.
Alle brauchen Erbarmen und Vergebung.
Niemand hat einen Vorzug bei Gott nur, 
weil er dieses oder jenes äußerliche Merkmal hat.
Keiner kann sich über den anderen erheben,
weil er Jude oder Grieche, Mann oder Frau sei,
arm oder reich, gesund oder reich. 
Alle Menschen sind in ihrer Würde 
und ihrer Verantwortung gleich:
Darum steht fest in Eurer Freiheit
und lasst Euch das Joch der Knechtschaft 
nicht wieder auflegen.
Damit ist dieser Bibeltext ein Kronzeuge
gegen Rassismus und religiöse Verfolgung und
für die gleiche Würde und Verantwortung aller Menschen.
Aber auch dieser große Text des Paulus,
wurde die meiste Zeit von der Kirche antisemitisch ausgelegt:
Das innerliche Christentum wurde von den Kanzeln aus hoch über 
das vermeintlich äußerliche, gesetzliche Judentum gestellt.
Herausgekommen ist das, was der Paulus gerade nicht wollte:
Abgrenzung durch die Äußerlichkeit einer Religionszugehörigkeit,
wo nur Gottes grenzenlose Liebe gelten sollte.
Ein Beispiel aus einer langen Geschichte der Abgrenzung, 
der abwertenden Schablonen, der Selbstüberhöhung,
ohne Gott die Ehre zu geben, auf Gott zu hören.
Das haben die Menschen mitbekommen, durch all die Jahrhunderte
und sie haben sich zu Recht davon emanzipiert.
Bis heute begründen Menschen ihren Kirchenaustritt
mit der Gewalt der Kreuzritter oder der Hexenverbrennung,
Das hört sich komisch an. Die Leute schütteln gern den Kopf,
wenn ich das erzähle.
Als heutiger evangelischer Christ 
muss ich das nicht persönlich nehmen..
Und natürlich gibt es auch solche, 
die Religionskriege und Verfolgung
vorschieben für ganz andere Motive, 
nämlich finanzielle, aus der Kirche auszutreten. 
Als Seelsorger sehe ich aber auch Menschen, 
die selbst Bevormundung, Intoleranz, Gleichgültigkeit, 
vielleicht sogar Gewalt durch kirchliche Menschen erlebt haben,
also die Anfänge von Gewalt, die in der ganzen Geschichte 
furchtbare Auswüchse hatte, vom Mittelalter bis zu den Gaskammern.
Entsprechend sensibel bin ich Seelsorger als Christ, als Mitmensch, 
wo immer sich der Widerstand für die Menschenwürde meldet. 
Die Kirche, der Pfarrer kann nicht neutral bleiben,
wenn die Würde des Menschen ungleich zugesprochen wird,
also der eine mehr wert zu sein scheint als der andere.
Und wenn die Verantwortung des Menschen, 
die Fürsorge der Gemeinschaft beschränkt wird:  
auf eine Religionsgemeinschaft, 
auf körperliche Fitness oder seelische Gesundheit, auf ein Volk.
Als seien alle anderen,
die angeblich weniger wert sind, 
der Gleichgültigkeit und Willkür unterworfen,
die Nicht Deutschen, die Menschen mit Behinderung, 
die Andersgläubigen, die Schwulen und Lesben.
Doch alle haben die gleiche Würde und Verantwortung.
Nicht alle haben das gleiche Empfinden 
für die Würde und Verantwortung des Anderen,
und damit auch für die eigene Würde. 
Und um diese Empfindlichkeit müssen wir uns Sorgen machen,
liebe Gemeinde.
Es gibt Konflikte unter uns Menschen, da ist das schon zu Ende, 
da gibt es nur noch zerstörerische Schablonen zwischen den Menschen.
Ein Fernsehkorrespondent berichtete aus Israel
und sagte, dass Israelis und Palästinenser früher 
bei aller Gegnerschaft Empathie füreinander empfinden konnten.
Das ist seit dem Hamas-Überfall am 7. Oktober 1923 
und dem Gazakrieg verschwunden, da gibt es kein Mitleid mehr
hüben und drüben. Und das wird viel neues Elend produzieren.
Wir, die wir das von Ferne nur sehen, 
keine Verwandten in Gaza oder Israel haben, 
können die Israelis und Palästinenser nicht heilen.
Aber wenn Konflikte bei uns so ausgetragen werden,
dass man dem anderen sein Mensch sein nicht gönnt,
dann können wir schon sagen: das wollen wir so nicht. 
Da können wir die Mitmenschlichkeit hochhalten, 
für Mitleid und Empathie eintreten.
Das mag für die Demonstrationen beider Seiten in Berlin gelten,
das mag für unsere Gespräche am Gartenzaun ein Thema sein.
Da gibt es eine deutsche Politikerin, 
die sich selbst "Rassist" nennt. 
Leichthin, vor einer Woche 
in den Nachrichten.
Warum tut sie das?
Weil sie hofft und damit rechnet,
dass es weniger Herz gibt.
Weniger Empfindlichkeit dafür,
was uns menschlich verloren geht,
wenn entwürdigend gedacht und geredet 
und dann auch gehandelt wird.
Das muss noch nicht mal rassistisch sein,
das geschieht über Kranke, Rentner, 
Bürgergeldempfänger und so weiter. 
Aber wir sind beim Rassismus.
Diese Frau weiß, viele Wähler denken:
"Na und?
Ist doch nicht schlimm, 
Rassist zu sein…
Wenn es um mein Volk geht,
und gegen kriminelle Ausländer.
Dann bin ich auch ein Rassist.
So wünscht sich die Politikerin,
dass die Wähler denken.
Gegen kriminelle Ausländer ist jeder,
aber gegen kriminelle Inländer ist auch jeder.
Aber nicht wenige Leute schauen mehr 
auf die Unterscheidung Ausländer und Inländer 
als auf die Unterscheidung Krimineller und Nicht-Krimineller.
Da spielt das Ansehen der Person 
in die Beurteilung einer ernsten Sache,
da können dann Vorurteile zu Fehlurteilen werden.
Als Seelsorger sehe ich
Menschen mit einem Herzen,
Menschen, die verwundbar sind,
und die verwundet wurden, 
denen vielleicht sogar 
die Würde verletzt wurde.
Jeder hat Empfindlichkeiten,
jede und jede lebt mit Wunden, 
manche mit Erniedrigung.
Die können die Würde 
anderer schwerer sehen.
Menschen, die fühlen, 
es kümmert sich keiner,
können sich gleichgültiger 
gegen das Leid anderer verhalten.
Und ich merke: 
die Rassistin spekuliert genau darauf,
Verletzte, verwundete Menschen dazu zu bringen,
noch verwundbarere Menschen zu verletzen, 
gleichgültig und unempfindlich.
Und da: an dem Punkt gibt es eine direkte Linie  
zu den Unmenschlichkeiten, 
die Aufseher in den Vernichtungslagern verbrochen haben.
Wenn Menschen ohne Not 
unempfindlich für das Leid Anderer werden.
Davor müssen wir sagen:
Um Gottes Willen: Nein!
Nein zur Abwertung, 
zu zerstörerischen Mustern.
Und um Gottes Willen Ja,
Ja zum Menschen. 
Ja zum gebrochenen, 
verwundeten, zweifelnden Menschen.
Der Gekreuzigte steht an seiner Seite.
Ja auch zu dem, wer sich würdelos benommen hat.
Der Gekreuzigte tritt für ihn ein, 
öffnet den Weg des Lebens
bewegt das fühlende Herz 
und führt es über die Reue zur Umkehr, 
zum Recht, zum Frieden,
zu den Werten, die von Ewigkeit zu Ewigkeit
für alle gleich gelten. 
Der Paulus, der erinnert uns genau daran,
Alle, auch, die stark und groß tun,
alle brauchen Erbarmen und Vergebung.
Vielleicht die, die stark und groß und selbstsicher tun besonders.
Vielleicht laufen die mit einem Panzer herum, kalt und starr,
weil sie innen drin verwundbar und einsam sind.
Vielleicht zeigen sie mit dem Finger auf Andere,
weil sie mit den eigenen Fragen und Ängsten nicht fertig werden.
Dabei müssten sie nichts, 
als zuerst sich selbst spüren,
und die eigenen Kräfte gegen die Ängste, 
den eigenen Verstand für die Fragen:
Der, der nicht an die Reihe kommt, braucht Gerechtigkeit, 
nicht noch mehr Ungerechtigkeit für andere, die noch weiter hinten stehen.
Der Letzte, den immer die Hunde beißen, braucht Anerkennung,
viel mehr als einen noch Letzteren, den noch mehr Hunde beissen.
Gute Freunde sollten offen über ihre Nöte miteinander reden können, 
viel mehr als blöde Sprüche über Ausländer klopfen.
Kinder mit Angst vor dem Schulhof 
brauchen ehrliche, mutige Erwachsene,
die ihnen vorleben, wie man Konflikte ohne Fäuste löst.
Sie brauchen nicht einen ethnisch sauberen Schulhof.
Denn auch auf dem gibt es Mobbing.
Die einsame Sucht braucht die anonymen Alkoholiker,
also wo man ohne Herkunft und Stand, 
anonym über sein Problem reden kann.
Das braucht der Säufer viel mehr als noch eine Betäubung, 
einen Co-Abhängigen und noch einen Sündenbock.
Jede und jeder hat sein eigenes Kreuz zu tragen,
für das er oder sie keinen anderen haftbar machen kann.
Jede und jeder hat seine Würde, sein fühlendes Herz
und darin liegt die Kraft, das eigene Kreuz zu tragen.
Ja mehr noch: das Herz, 
das Reue fühlt und ein Ziel für die Zukunft erfasst,
das Herz, das Mitleid sucht und Mitleid findet, 
das kann auch das fremde Kreuz wahrnehmen,
ohne den anderen abzuwerten,
es kann Freud und Leid teilen, 
die Freude verdoppeln, das Leid halbieren, 
für etwas weniger Schmerz und weniger Einsamkeit 
und etwas mehr Trost und Zusammenhalt.
Und dafür gibt es die Gemeinde.
Und die Erinnerung.
Und die Hoffnung.
In einer Welt, in der bestimmte Politiker meinen,
die Menschen seien so stumpf,
dass sie sich von ihnen Locker vom Hocker 
den Rassisten auf die Stirn kleben lassen,
da machen wir das Herz groß und weit.  
Da sind wir alles andere stumpf, verhärtet und kalt.
Ja auch für Ausländer, für Menschen mit Behinderungen,
für Bürgergeldempfänger und Rentner, 
aber wir sind heute 
noch empfindlicher, noch aufmerksamer
für die Menschen in unserer Nachbarschaft,
auf die diese Rassistin zielt. 
Da gibt es viele:
Die innerlich Verwundeten,
die um ihre Würde kämpfen,
und ihre Verantwortung suchen.
Die sollen gewürdigt werden,
und Verantwortung bekommen.
Besonders für die Lautsprecher, 
wollen wir einen leisen aber klaren Ton finden.
Besonders für die scheinbar Kalten,
wollen wir Wärme erzeugen,
dass sie gerührt werden 
und sich bewegen lernen,
außerhalb der Schablonen.
Besonders die, die Gleichgültig tun,
denen wollen wir zeigen,
dass sie nicht egal sind
und dass es nicht egal ist,
wo man Mitleid fühlt 
und wo nicht.
So wollen wir dem Gott die Ehre geben,
der alle gleich lieb hat,
mit Worten und mit Taten,
Dem Ewigen Heiligen,
dem Gekreuzigten und Auferstandenen
der allen Gräbern und Grausamkeiten entgegen
von Ewigkeit zu Ewigkeit 
jedem Menschenkind das sagt:
Ja Du bist wertvoll, 
unendlich für mich.
Ja Du hast eine Verantwortung
und eine Freiheit sie anzunehmen.
Ja Du hast Würde
und ein Herz das fühlt.
Sag auch Ja.
Ja zu Dir selbst 
und Ja zum Nächsten
Ja.
 
Predigt über Jeremia 14  - Gottlose Dürre
 
Liebe Gemeinde
Der Predigttext steht im Jeremiabuch Kapitel 14,
überschrieben mit: “Die große Dürre”
Der Form nach sind diese Zeilen
als Gespräch gestaltet zwischen dem Propheten
und dem Herrn.
Elisabeth und Susanne
lesen den Text in verteilten Rollen.
E: Dies ist das Wort,
das der Herr zu Jeremia sagte
über die große Dürre:
Juda liegt jämmerlich da,
seine Städte verschmachten.
Sie sinken trauernd zu Boden,
und Jerusalems Wehklage steigt empor.
Die Großen schicken ihre Diener nach Wasser;
aber wenn sie zum Brunnen kommen,
finden sie kein Wasser
und bringen ihre Gefäße leer zurück.
Sie sind traurig und betrübt
und verhüllen ihre Häupter.
Die Erde ist rissig,
weil es nicht regnet auf das Land.
Darum sind die Ackerleute traurig
und verhüllen ihre Häupter.
Selbst die Hirschkühe,
die auf dem Felde werfen,
verlassen die Jungen,
weil kein Gras wächst.
Die Wildesel stehen auf den kahlen Höhen
und schnappen nach Luft wie die Schakale;
ihre Augen erlöschen, weil nichts Grünes wächst.
S: Ach, Herr, wenn unsre Sünden uns verklagen,
so hilf doch um deines Namens willen!
Denn unser Ungehorsam ist groß,
womit wir wider dich gesündigt haben.
Du bist der Trost Israels und sein Nothelfer.
Warum stellst du dich,
als wärst du ein Fremdling im Lande
und ein Wanderer, der nur über Nacht bleibt?
Warum bist du wie einer,
der verzagt ist, und wie ein Held,
der nicht helfen kann?
Du bist ja doch unter uns,
Herr, und wir heißen nach deinem Namen;
verlass uns nicht!
E: Und der Herr sprach zu mir:
Du sollst nicht für das Wohl dieses Volkes bitten.
Denn wenn sie auch fasten,
so will ich doch ihr Flehen nicht erhören;
und wenn sie auch Brandopfer und Speisopfer bringen,
so gefallen sie mir doch nicht,
sondern ich will sie
durch Schwert, Hunger und Pest aufreiben.
S: Da sprach ich: Ach, Herr Herr!
Siehe, die Propheten sagen ihnen:
Ihr werdet das Schwert nicht sehen
und keine Hungersnot bei euch haben,
sondern ich will euch beständigen Frieden geben
an diesem Ort.
E: Die Propheten weissagen Lüge in meinem Namen;
ich habe sie nicht gesandt
und ihnen nichts befohlen
und nicht zu ihnen geredet.
Sie predigen euch falsche Offenbarungen,
nichtige Wahrsagung und ihres Herzens Trug.
Dürre, das kennen wir.
Einem Regenjahr folgen
zwei bis drei trockene.
Das Grundwasser sinkt.
So brutal,
wie das beim Propheten
Jeremia beschrieben wird,
so kennen wir das
Gott sei Dank nicht.
In Australien haben wir
riesige Waldbrände erlebt,
wegen überlanger
Trockenperioden.
Das sah manchmal
wie die Apokalypse aus.
Jeremia beklagt sich bei Gott
über die überharte Strafe,
wie er findet.
Das gehört für mich
zu den tröstlicheren Seiten der Bibel:
Dass Gott die Fragen der Menschen hört
und annimmt, und dass der Fragende
auch Antworten findet.
Nur: die können ihm nicht immer gefallen,
das gehört allerdings zu den weniger tröstlichen Seiten.
Im Falle der Dürre von Juda,
die die Wildesel auf den Bergen schreien läßt,
wird es keine Besserung geben.
Es sind gerade die, die Botschaften ausgeben,
die die Leute hören wollen, die das Elend vergrößern.
Diejenigen, die die Menschen beruhigen:
der Regen kommt schon!
und die den Mächtigen nach dem Mund reden,
die sich das Wasser vor den Armen sichern:
Frieden verkünden, wo kein Frieden ist.
Sie sprechen im Namen höchster Autorität.
Aber sie rufen die Menschen nicht zur Umkehr,
erinnern die Mächtigen nicht an ihre Pflicht.
Wer möchte einen Arzt haben,
der einem bei verschiedenen Beschwerden
immer das selbe Schmerzmittel verschreibt?
Wer möchte einen Freund haben,
der einem immer nur nach dem Mund redet?
Wer möchte in einer Familie sein,
wo schwer anzusprechende Geheimnisse
mit Friede-Freude-Eierkuchen einfach überspielt werden?
Da sind die falschen Propheten,
die die Verantwortlichen nicht zur Verantwortung rufen,
die Frieden behaupten wo kein Friede ist.
Zwischen Apokalypse und Lüge
gibt es einen direkten Zusammenhang.
Und Gott entzieht sich.
Gott entzieht seinen Segen,
es regnet einfach nicht.
Im Iran herrscht auch eine große Dürre,
im Sommer ist es furchtbar heiß
und im Winter fällt viel zu wenig Regen.
Die Stadt Teheran dreht ihren Bewohnern
stundenweise das Wasser ab.
Das Land kommt auch wirtschaftlich
nicht auf die Beine.
Ob sich Gott hier entzieht,
das kann ich aus der Ferne nicht sagen.
Das aber kann ich von meinen Standpunkt aus sagen:
Gottlos ist es, Menschen umzubringen,
die für die Freiheit auf die Straße gehen,
für bessere Lebensbedingungen.
Die meisten Koranausleger,
die meisten Bibelausleger sehen das so,
dass Todesurteile im Namen Gottes gottlos sind.
Dass der Mensch, und sei es der frömmste
sich an eine Stelle setzt, die ihm nicht zukommt:
nämlich die des Richters über Leben und Tod.
Das ist nämlich Gottes Stelle.
Nur die Radikalen, die Mullahs an der Macht,
denen es nützt, die sich damit legitimieren,
die lesen die entsprechenden Stellen im Koran,
in der Bibel wörtlich.
Der amerikanische Verteidigungsminister
hat die lateinischen Worte Deus vult auf die Brust tätowiert:
Gott will es - in Klammern:
dass ich Dich abknalle, im Falle des Falles.
Und das kommt vor, wie wir wissen.
Niemand bei uns regt sich darüber auf,
über diese Gottlosigkeit.
Alle wissen es, nehmen es hin,
dass Gotteskrieger und Gottesstaaten
wenig mit Gott zu tun haben, aus diesen Gründen.
Von Zeit zu Zeit macht es
aber guten Sinn darüber nachzudenken.
Über die menschlichen Hierarchien,
und wie sie sich mit Werten und Symbolen,
mit Fahnen und mit Glaubensbekenntnissen
legitimieren und durchsetzen.
Und zwar um Gottes willen.
Der Mensch, auch, der der nicht an Gott glaubt,
weiß, dass er oder sie Unrecht nicht Recht nennen kann.
Dass er nicht Frieden auf die Fahne schreiben kann,
wenn da keine Gerechtigkeit hinter ist.
Alle wissen, wenn sie sich einen babylonischen Turm bauen,
nur um größer als andere zu sein, sie werden fallen.
Hochmut kommt vor dem Fall.
Und die, denen der Name Gottes etwas bedeutet
ahnen, dass es einen Richter über Leben und Tod gibt,
einen, der besser über sie Bescheid weiß als sie selber,
einen, der sie nicht besser oder schlechter
als den Nachbarn gemacht hat,
sondern alle Menschen gleich liebt,
ohne Ansehen von Stand, Besitz, Hautfarbe, Reisepass.
Wir Christen hoffen sogar,
dass unser Gott uns vergeben kann,
was wir uns selbst nicht vergeben können.
Uns die Perspektive ins Leben zeigt,
wo für uns alles aus ist, in einem Grab.
Also dass es für den Menschen in der Tiefe,
in der größten Gottesferne eine Freiheit, eine Würde gibt.
Da, wo andere Religionen doch noch härter sind,
im Verdammen, im Verurteilen, da sind wir vorsichtiger.
Wir sind so ein bißchen wie der Fürbitte haltende Jeremia:
Verfahre Gott, mit den Menschen,
nicht nach ihrer Schuld,
lass Gnade vor Recht walten,
wie Du es in Christus verheißen hast.
Und es kann auch dann noch sein,
dass Gott seinen Segen entzieht,
vielleicht weil wir zu freundlich, zu friedlich,
zu konfliktscheu waren, in unseres lieben Gottes Namen.
Wir müssen Gott die Ehre geben, so oder so,
die Wahrheit sagen, Gerechtigkeit üben,
dem Frieden nachjagen.
In aller Unvollkommenheit und Vorläufigkeit,
aber mit voller Verantwortung und ohne Umschweife.
Für unser Miteinander,
wo es Familien und Freundschaften gibt,
die das wahre Wort brauchen,
Nachbarschaften, die Frieden brauchen,
Menschen, die nach Gerechtigkeit fragen.
Viele Menschen auf dem Land haben
das Gefühl von den Städtern belehrt zu werden,
zum Beispiel, was Mobilität angeht:
“Wir können nicht so Fahrrad fahren
wie die Kreuzberger Grünen.” heißt es.
Viele Leute, die was aufbauen,
Handwerker vor allem, stören sich daran,
dauernd vor irgendwelche Vorschriften zu laufen.
Seit Corona verstärkt sich der Druck,
sich den Umgang mit der eigenen Gesundheit
nicht vorschreiben lassen zu können.
Die Frage ist natürlich auch,
welcher Macht man dann hinterherläuft,
wenn man nicht auf die Wissenschaft z.B. hören möchte,
auf das Bauchgefühl?
Oder wenn man sich lautstark über das Gendern beschwert:
auf starre Rollenverteilung und unnötige Abgrenzung?
Es gibt böse, falsche Propheten,
die tuten in das Horn.
Aber: In jeder Abwehr
von Bevormundung, Gängelei, Belehrung
steckt auch was Gutes,
die Energie, das Feuer der Freiheit.
Der Impuls,
sein eigenes Leben zu leben
es selbst herauszufinden.
Für Gewerkschaften, politische Parteien
und auch für die Kirche ist das ein Menetekel,
ein Warnzeichen an der Wand.
Das steht da:
Werdet still, hört gut zu,
auch wenn es eine grobe Sprache ist,
die nicht gut in Eure Schablonen passt.
Stellt Fragen, sagt Nein zu dem Bösen.
Seid aber vorsichtig bei Brandmauern
im zwischenmenschlichen Bereich.
Dass nicht da ein Gefälle entsteht,
von Lehrer und Belehrtem,
von Richter und Verurteiltem,
da, wo gleichberechtigte Kommunikation
noch was retten kann.
Laßt etwas Freiraum für das,
was Euch gerade nicht in den Kram passt.
Macht Euch nicht vorschnell zu Richtern über gut und böse.
Ihr könntet Euch an der Flamme verbrennen,
die Ihr doch zu bewahren sucht:
das Feuer der Freiheit.
Dieser Winter hat nicht viel Niederschlag gesehen.
Und am Freitag
konnte man bei herrlichem Frühlingswetter
über die Felder spazieren.
Wer weiß, ob das wieder ein Dürrejahr wird,
das Jahr 2026?
Wir wissen,
dass unsere Felder,
Wahrheit und Gerechtigkeit und Frieden brauchen,
wie Sonne und Luft und Regen.
Und dass wir dafür ackern können
dass die Frucht bringen können
und Ernten eingefahren werden,
in den Familien, unter Freunden,
in der Nachbarschaft.
Und wir kommen hier
am Anfang des Jahres zusammen,
stellen uns in dieser Runde
vor diesen Altar, mit der Bitte,
dass Gott uns unser Zukurzkommen vergebe
und Kraft gebe es heute schon besser zu machen
und dass er seinen Segen nicht entziehe.
Amen.

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Predigt vom 24.8.25 in Paaren und Fahrland.

 

Gnade sei mit Euch, und Friede von Gott dem Vater, dem Herren Jesus Christus, in der  Gemeinschaft des Heiligen Geistes, Amen. 

 

Ein Theatermensch hat mir mal gesagt:

Wenn man keinen Konflikt zu erzählen hat,

dann braucht man gar nicht anfangen, mit erzählen. 

So ein bißchen geht es mir mit dem Predigttext so:

 

Jesus und der Schriftgelehrte sind sich einig.

Es gibt zwei Gebote, die die Thora zusammenfassen:

das Gebot der Gottesliebe und das Gebot der Nächstenliebe.

 

Alle können sich darüber einig sein.

Alle mögen Nächstenliebe.

Auch Spiritualität mag jeder,

in und außerhalb der Kirche. 

 

So und unser Evangelium zum Israelsonntag

besteht aus der Übereinstimmung

zwischen dem Schriftgelehrten und Jesus:

Ja das ist so: Gottesliebe und Nächstenliebe 

sind das Wichtigste überhaupt. 

Das bestätigen sie sich gegenseitig. 

So weit so gut, an der Stelle könnte ich also aufhören,

wenn ich dem Theatermenschen folgen würde.

Kein Konflikt, keine Geschichte, kein Problem.

Und damit könnte ich jetzt 

Schluss mit meiner Predigt machen. 

Mit dieser Eindeutigkeit und Klarheit

können wir mit Fug und Recht einen Punkt machen.

Soll ich? 

 

(Wenn ja:

Okay - meditieren wir das höchste Gebot:

Gott zu lieben.

den Nächsten zu lieben

in der Stille.)

 

(Wenn nein:)

 

Der Konflikt, mit dem anzufangen wäre, 

der  ist auf unserer Seite,

von der Bibel aus ist alles klar,

alles gesagt, alles eindeutig.

Du sollst Gott lieben, mit ganzem Herzen.

Du sollst Deinen Nächsten lieben,

wie Dich selbst.

Die Geschichte müssen wir selbst erzählen.

Und sie ist nicht leicht erzählt.

Und leichter ist es, zu schweigen.

Vor dem Heiligen und Ewigen,

als sterbliche, fehlerbehaftete Wesen,

vor dem Reinen und Klaren,

mit den ganzen Irrungen und Wirrungen

zur Ruhe zu kommen.

Und vielleicht nur einen Punkt 

zu überlegen,

wo man für sich 

und das allernächste Umfeld 

einen Unterschied machen könnte.

 

Aus den vielen Konflikten der Menschen,

aus den vielen Geschichten der Völker,

spreche ich also über einen Punkt 

und zwar über die Nachbarschaft.

Das betrifft alle Menschen in allen unseren Dörfern

auf unterschiedlichste Weise.

Der Nachbar ist der Nächste, 

jedenfalls im nächsten Haus.

Der, den man um ein Ei bittet,

wenn eins für den Kuchen fehlt.

Der, dessen Musik man mithören muss,

dessen Art den Garten zu pflegen

zum täglichen Anblick gehört.

Der mit dem die allermeisten

immer mal ein Schwätzchen 

über den Gartenzaun halten. 

Und es kann der Frömmste nicht in Frieden leben,

wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.

 

Im Heiligen Land, beim Volk Gottes, 

das wir heute mit dem Israelsonntag feiern,

ist das auf furchtbare Weise so.

Da bringen sich Nachbarn gegenseitig um,

Palästinenser und Israelis.

Noch immer sind Geiseln 

in der Hand der Hamas im Gaza.

Und die israelische Regierung 

plant in dieser Woche Siedlungen auf palästinensischem Gebiet,

um einen eigenen Palästinenserstaat unmöglich machen werden.

Und damit die Zweistaatenlösung 

als Weg zur Nachbarschaft auf Augenhöhe.

Israelsonntag feiert die Kirche. 

Israel erzählt eine schreckliche Konfliktgeschichte.

Gottes Verheißungen, klar und heilig - Tragik des Menschen,

der nicht lieben kann, den, der ihm am nächsten wohnt. 

Und dass wir es beim Volk Gottes sehen, hat uns etwas zu sagen.

Auch die, die sich auf die heiligsten Traditionen berufen dürfen,

können sich unheilig benehmen,

können vor der Verheißung rückwärts gehen 

und sich weiter entfernen

von Gottes Gebot.

Eine Mahnung, besonders für die, 

die gern den Nachbarn für böse halten, 

sich selbst aber für die Frömmsten.

In allen Facebook und Whatsapp-Gruppen

in unseren Dörfern ein weit verbreitetes Phänomen.

Und das wäre wieder ein Punkt,

die Predigt zu beenden,

weil alles gesagt ist:

 

Gott sagt so,

die Menschen 

handeln so.

Ende der Geschichte.

Schade, 

aber nicht zu ändern.

Sic transit mundi.

So geht die Welt dahin.

 

Soll ich hier aufhören, liebe Leute?

 

(Wenn ja:

Okay - meditieren wir das Wesen des Menschen,

zur Liebe berufen zu sein.

Aber immer zu kurz zu kommen,

es nur mit halben Herzen zu schaffen.

Und Dinge kaputt zu machen,

die nicht mehr einfach zu reparieren sind.

Und was es unter dieser Bedingung 

heißen könnte Gott zu lieben

und den Nächsten,

und sich selbst.

Nehmen wir uns in der Stille 

dafür ein paar Minuten Zeit.)

 

(Wenn nein:)

 

Sic transit mundi. 

So geht die Welt.

Aber Gott geht anders.

Die Menschen handeln so.

Aber Gott bleibt sich treu.

Trotzdem. Wunderbar, rätselhaft, Gott eben.

 

Paulus schreibt, auf die Frage, 

ob es eine Zukunft für Israel gibt,

sinngemäß:

Auch wenn ich es 

noch nicht verstehe:

Gottes Verheißungen 

können ihn nicht gereuen.

Gott ist eben Gott.

Habt Respekt und hört auf das 

was immer richtig war undbleiben wird,

in Gottes Namen.

Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst.

Hört auf, alles zu zerpflücken, oder abzuurteilen,

nach Autogröße, Haarfarbe, Vorgartenpflege.

Jeder ist Dein Nächster, nur einer steht über allen, das ist Gott.

Gute Botschaft für alle Nachbarn,

Fromme und weniger Fromme.

 

Es dauert nun nicht mehr lang, 

da ziehen die ersten neuen Nachbarn 

in Krampnitz ein.

So mancher hat Schwierigkeiten mit einem Nachbarn,

die Fahrländer bekommen es mit mehreren Tausend 

neuen Nachbarn zu tun. 

Und diese neuen Nachbarn müssen sich ja auch erst

als Nachbarn finden, aufeinander zugehen, sich treffen.

Und mit dem anspruchsvollen umweltfreundlichen 

Verkehrskonzept klarkommen, 

das alle Fahrländer eher kritisch beargwöhnen.

Sollen wir diese Riesen-Nachbarschaft

nun ansehen, wie die meisten 

Palästinenser und Israelis

sich gegenseitig anschauen? 

Sollen wir dieses Projekt Krampnitz

wie alles Menschenwerk

als vergänglich, ja vergeblich anschauen,

schon bevor es richtig angefangen hat?

 

Nee, wenn ein neuer Nachbar einzieht,

dann geht man mit Blümchen rüber,

traditionell mit Brot und Salz und sagt Hallo.

Man weiß einfach nicht, wie es wird.

Deshalb tut man das Seine, dass es gut wird.

Man ist vorsichtig, mit den Neuen nebenan,

man muss eine ganze Weile nah beieinander leben.

Und man möchte das es klappt,

 … den Nächsten, wie Dich selbst.

Schon alleine, um der eigenen Ruhe willen.

 

Und so wird das auch im Großen sein,

mit dem neuen Stadtviertel Krampnitz, 

auch für diese evangelische Gemeinde, 

die über einen relativ kurzen Zeitraum

viele Gemeindemitglieder dazu bekommt,

an einem Ort, wo bisher keine Kirche war.

Also deutlich komplizierter 

als wenn nur ein Nachbar im Nebenhaus einzieht,

mit viel mehr Menschen.

Und so gewiß wie man sich mal mit dem Nachbarn

über den Zustand der Hecke nicht einig ist, 

so gewiß wird es auch Konflikte geben,

in und um Krampnitz.

 

Und dann wird sich zeigen,

an welche Werte die Menschen hier glauben.

Welche Hoffnung sie haben, 

wie viel Liebe sie zu geben haben.

Die nächsten Jahre werden spannend.

Und ehrlich gesagt, habe ich mich unter anderem

deswegen hier beworben, 

weil hier was los ist, 

weil diese Fragen Fragen vom Jesus, 

und vom Schriftgelehrten sind: 

nach Glaube, Liebe und Hoffnung. 

Wie der Theatermensch schon sagte:

wenn man keinen Konflikt hat,

braucht man gar nicht anfangen zu erzählen.

Und keine Sorge: 

Der Schriftgelehrte und der Jesus 

sind sich ja ganz einig 

über ein gutes Ende der Geschichte,

mit Gottes- und Nächstenliebe.

 

Gut möglich, dass wir nach Jahrzehnten

guter Nachbarschaft bei Pflaumenkuchen

auf der Terrasse sitzen und lachen,

über den Streit über die Hecke 

und wie wir wochenlang grußlos 

aneinander vorbeigegangen sind,

bis wir beide es endlich zu albern fanden. 

Da freu ich mich jetzt schon drauf

und habe diese Geschichte heute zu Ende erzählt. 

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft,

der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus unserm Herrn. Amen.

 

 

Predigt vom Gründonnerstag 25  in Paaren.
Gern spreche ich nicht über den Mann,
heute passt´s:
Einer will alles.
Überall billig einkaufen
und die Verkäufer
Steuern bezahlen lassen.
Was eine gemeine Logik:
Preise drücken 
und Zölle pressen.
Vor allem auf dem Rücken
derer, die diese Waren 
mit ihren Händen herstellen.
Ein episches Bild
für den Hals nicht vollkriegen,
sich vor zu drängeln,
den Teller voll zu laden,
und dabei den anderen 
in die Röhre schauen lassen.
Die meisten seiner 77 Millionen Wähler 
übrigens sind nach wie vor davon überzeugt,
dass das nur gerecht sei.
Es sind auch viele Arme darunter,
die oft in die Röhre schauen und 
die auch mal einen Stück vom Kuchen wollen.
Gut möglich, daß sie wirklich glauben, daß die Waren, 
die sie bisher billig aus anderen Ländern eingekauft haben,
nun in Amerika zu hohen Löhnen produziert werden,
aber immer noch genauso billig im Laden zu haben sind.
Einer will alles.
Und alle wissen,
sie haben mehr mit ihm und seinen Wählern gemein,
als ihnen lieb ist.
Jeder muss seine Plünnen beieinander halten.
Niemand kann einfach alles herschenken
und jeden Preis bezahlen.
Das bringen wir unseren Kindern
mit dem Taschengeld bei.
Jeder will günstig einkaufen,
macht nicht immer den wichtigen Unterschied 
zwischen "Billig" und "Preiswert"
Und jeder weiß, dass er sich da gern 
was vormachen läßt,
wenn der Preis zur eigenen Geldbörse passt.
Denn irgendjemand zahlt drauf,
gerade wenn irgendwie der Preis gedrückt wird,
beim Liter Benzin die künftige Generation
bei der Wegwerfklamotte die Näherin,
bei der Bärchenwurst das arme Schwein.
Einer will alles.
Und wird als goldene Statue verehrt,
für den Konsum, bei dem andere bezahlen.
Einer will alles.
Und 
einer gibt alles.
Teilt aus,
und alle nehmen.
Seine Liebe,
sein Leben.
Es ist genau das,
was keiner gerne macht.
Für andere umsonst bezahlen.
Am Kreuz, mit Sklaventod.
Von aller Welt
verachtet, 
bis heute.
Verachtet.
Einer gibt alles:
Für den, der die Todesstrafe verdient hat:
das Leben.
Für den Verräter den Kuss
Für den Verleugner
die Schlüssel des Himmels.
Für die Schlafenden
den Lauf zum leeren Grab,
am Morgen,
das Leben neu
voller Chancen,
wie am ersten Tag.
All das: umsonst gegeben?
Nichts war umsonst,
was aus Liebe gegeben wurde!
Das kann jede und jeder
für sich mitnehmen, 
mit nur einer guten Erinnerung,
an das, was aus Liebe gegeben wurde,
von den Eltern, 
von einem Freund, 
dem Ehepartner.
Vergebung und Zuwendung,
das offene Wort,
die Umarmung.
Einer gibt alles.
Jeder bekommt gleich viel.
Ein Stück Brot
und ein Schluck Wein.
Einer gibt alles.
Teilt aus,
dass jeder etwas bekommt
und keiner leer ausgeht.
Sein Leben, für alle.
auch für den, 
der nichts oder wenig zu geben hat.
Das ist die Liebe.
Das ist die Kraft
und alle Herrlichkeit.
Das ist das Leben selbst.
Umsonst und aus reiner Gnade,
unverdient zu empfangen.
Und zugleich so gar nicht umsonst, 
sondern gegeben, 
um selbst geteilt zu werden.
Damit jede und jeder Güte erfährt,
einen Teil, einen Platz bekommt.
Nie für sich selbst 
und immer für den Anderen,
mit den Anderen.
Denken wir mal
an die künftigen Generation,
die Näherin in Bangladesh,
das arme Schwein.
Einer will alles.
In einem riskanten Spiel
kann er viel gewinnen,
wo Viele viel verlieren werden.
Das Roulette, das er spielt,
ist wie ein Menetekel
für das Wesen einer Welt, 
die vergeht, 
für den Egoismus, die Gier, 
die Verdrängung der Schwachen.
Die Kugel rollt. 
Nichts geht mehr.
Wir werden sehen, 
wer bezahlt.
Er nicht. 
Einer gibt alles, für uns.
Der spielt keine Spiele
mit anderer Leute Leben.
Der setzt seins ein,
damit der Barrabas lebt.
Laßt uns sehen,
was wir zu geben haben,
in dieser Welt,
für arme Schweine,
den kranken Nachbarn,
das Überleben des Planeten. 
Laßt uns im Herzen fühlen
welche Werte wir 
für uns zu behalten haben,
die nicht aus Gold sind.
Dass es Hoffnung gibt, 
dass jeder seinen Teil bekommt:
wir werden es schmecken 
und sehen, genießen 
und weitergeben,
für eine Welt,
die kommt,
in seinem Namen,
Amen.

Predigt am 23.2.25 über Markus 7,31-37 Heilung des Taubstummen.
Es ist Wahlkampf.
Besser: Es war Wahlkampf
und heute ist Wahltag.
Heute gilts,
heute wird die Stimme
abgegeben.
Damit wird bestimmt,
wer die Zukunft bestimmt
in unserem Land,
mit welchen Inhalten
welche Ziele erreicht werden sollen.
Im Wahlkampf war das
nicht immer leicht, herauszufinden,
wohin die Reise geht.
Alle Gesichter auf den Plakaten lächeln,
alle Phrasen waren nichts als Phrasen,
nur undeutliche Hinweise.
Und die Diskussionen
waren bestimmt vom Geschrei der Abgrenzung,
weniger vom sachlichen Verständnis.
Der Mensch kann mit offenen Ohren
und bei guter Stimme taub und stumm werden,
über so viel Lärm und buntem Geflitter und Geflatter.
Der Mensch kann mit offenen Ohren
und bei guter Stimme taub und stumm werden,
sich sich gemütlich im Wohnzimmer aufregen, über den Mist,
den der Nachbar in die sozialen Medien gestellt hat.
Und dann trifft man sich am nächsten Tag auf der Straße,
man grüßt sich freundlich,
denkt, was für ein Idiot und geht weiter.
Dasselbe denkt natürlich der Nachbar und so sind beide
taub und stumm und haben keinen Ausdruck dafür gefunden,
kein Gehör für etwas, das doch beide stark bewegt.
Der Mensch kann mit offenen Ohren
und bei guter Stimme taub und stumm werden,
mit all den inneren Stimmen,
die manchmal nicht zusammen passen,
den Ängsten, Sehnsüchten und Eitelkeiten.
Gute Sache, still zu werden
die Ohren frei zu bekommen
von dem Lärm von außen
und den Lärm von innen
vom Herzen zur Ruhe zu bringen
und auf die eine Stimme
zu hören,
auf die es ankommt.
Wir denken oft,
dass wir nur auf uns selbst
hören müssten.
Aber das müssen nicht wir
selbst sein,
das können auch diese Sehnsüchte,
Ängste, Eitelkeiten sein,
die durcheinander reden
und einen verführen können.
Aber es stimmt:
da ist eine Stimme tief in uns,
die zu uns spricht,
durch all den Lärm hindurch,
in unsere Taubheit hinein.
Heffata, sagt Jesus,
“Öffne Dich!”
Schließ Dich nicht
in Dir selber ein.
Öffne die Ohren,
für das, was Du noch nicht gehört hast,
weil die vielen Stimmen in Dir so laut und durcheinander waren.
Öffne die Augen,
für das, was Du nicht sehen konntest,
wo Du mit Scheuklappen herumgerannt bist.
Öffne Dein Herz,
für das, was Dir deswegen gleichgültig erscheint,
weil Du Dich selbst nicht mehr richtig fühlst.
Öffne Deine Hand,
für den, der Dir etwas zu geben hat,
was Du noch nicht kennst.
Öffne Dich für Gott,
der Dir das Leben neu aufschließen wird,
wo Du nur den Tod siehst,
der Dir die Welt zeigen möchte,
wo Du in Deinen vier Wänden sitzt.
Und der Dir für Deine Zukunft
die Freiheit und die Liebe zumutet.
Heffata, öffne Dich:
Atemberaubend aufregend.
Öffne Deinen Mund!
Unter all dem Lärm
ist die Stimme des Menschen
klein und seltsam geworden.
Gott macht sie auf,
Gott macht sie groß.
Deine Stimme.
Der verheißene Messias kommt
und Stumme reden, Taube hören,
Lahme gehen, Blinde sehen.
Menschen, die eingesperrt waren
in Leid und Krankheit werden frei
und dürfen sich freuen, singen und springen.
Die biblische Verheißung für eine Welt,
wo Menschen keine Stimme haben,
wo über sie geredet wird
und sie dürfen es nicht hören.
Das große biblische Nein
zu seiner Welt, in der Kranke ausgeschlossen sind,
Menschen bewußt in die Irre geführt werden,
geblendet mit Lügen und falschen Versprechungen.
Das gute Wort vom Jesus für die Menschen,
die noch Hoffnung haben,
die noch Sehnsucht nach Freiheit haben,
die sich noch spüren, die ein Herz haben, das mitleiden kann.
Die große Aufmunterung, sich zu freuen,
zu singen und zu springen und sich zu öffnen
für das Wunder des Lebens,
sich zu öffnen für Gott,
bei dem alles, wirklich alles noch einmal ganz anders sein kann,
als es für uns heute aussieht.
Dass Stumme ihre Stimme haben
und dass Taube alles hören können,
das ist die Verheißung
besonders für die kleinen, normalen Leute.
Und eine Warnung für alle,
die sie bevormunden wollen
ein Menetekel, für alle,
die ihnen etwas verschweigen wollen.
Heffata, sagt Jesus, öffne Dich.
Öffne Herz und Ohr,
Mund und Hand.
Mensch, Du hast eine Stimme,
Mensch, Du bist entscheidend.
Und das gilt auf der Dorfstraße
genau so wie an der Wahlurne.
Ich war gestern beim Anglerverein in Fahrland am See
und beim Eisbeinessen der Freiwilligen Feuerwehr Falkenrehde
und hab viele Nachbarn getroffen
und nicht ein Wort über die Wahl verloren.
Man muss nicht immer alle anderen eines Besseren belehren.
Manchmal ist es wichtiger,
die Beziehung über das Rechthaben zu stellen.
Ganz grundsätzlich.
Aber das erleichtert auch das Gespräch, wenn es ernst wird.
Hin und wieder muss man halt mal Nein sagen.
Auch dem eigenen Harmoniebedürfnis entgegen
muss man manchmal sagen:
Seh ich anders. Und nicht nur Ich irgendwie,
sondern eben auch: Ich als Christ seh das anders.
Meine Werte,
die sind kein Zufall,
mein Glaube, mein Gott,
der gibt meinem Gewissen vor:
Menschenrecht und Menschenwürde,
Gerechtigkeit und Frieden,
sowie Bewahrung der Schöpfung.
Und dann muss man Farbe bekennen.
Seinen Mund auftun.
Gut, wenn man dann vorher
einen guten Draht aufgebaut hat,
daß man Ohren hat,
mit denen man den anderen so gut wahrgenommen hat,
so daß man dann seine Stimme auch so erhebt,
dass der andere es auch mit seinen Ohren hören kann.
Du hast eine Stimme:
Du kannst singen, Du kannst streiten, Du kannst trösten.
Bei der Wahl kannst Du mit Deiner Stimme mitbestimmen,
wer in unserem Land bestimmt.
Du hast eine Stimme.
Du kannst schweigen. Du kannst denken, bevor Du redest.
Du kannst zuhören, bevor Du austeilst.
Du kannst Dich in der Stille fragen,
wer Deine Zukunft bestimmen soll
– und wer nicht.
“Heffata” sagt Jesus: Öffne dich.
Tu Dich auf, für Deine Bestimmung.
Und dann erhebe Deine Stimme.
Du hast eine Stimme.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn, Amen.
Predigt zur Europawahl Juni 24  in Satzkorn und Fahrland
 
 
Bei einer Wahl 
muss man seine Seite wählen,
die von denen man überzeugt ist,
dass die seine Interessen am Besten vertreten.
Man wählt seine Partei ins Parlament,
damit die dort in seinem Sinn mitbestimmen,
wie die Zukunft gestaltet wird.
Das was wir heute vom Apostel 
ins Stammbuch geschrieben bekommen,
ist Gemeinschaft über alle Grenzen hinweg. 
Der Predigttext für heute
ruft dazu auf, das eine Haus
der Gemeinschaft zu bauen,
über die Grenzen von Glauben 
und Herkunft hinweg. 
So werden Unterschiedliche
zu lebendigen Steinen,
die das Haus gemeinsam bilden,
obwohl sie so unterschiedlich sind.
Sie tragen sich und stützen sich gegenseitig.
Da kommt noch etwas dazu,
etwas das für alle gelten soll, 
die wählen und gewählt werden:
Gemeinschaft in Frieden, Gottes Wille. 
Eigentlich ist das gemeinsame Haus Europa,
wie es oft genannt wird,
eine positive Überraschung
der Weltgeschichte.
Über viele Jahrhunderte waren
Deutsche und Franzosen verfeindet,
Erzfeinde.
Und ausgerechnet 
nach zwei Weltkriegen
mit Millionen Toten
begannen Charles de Gaulle 
und Konrad Adenauer
mit der deutsch-französischen Freundschaft.
Und das war die Keimzelle 
der europäischen Gemeinschaft,
die heute in 27 Staaten ihr Parlament wählt.
Manche in diesen Ländern glauben,
dass die Nation vor der EU kommt.
Was aber vor allem anderen in der EU kommt, ist:
Daß man Gutes auch von jemandem erwarten kann,
mit dem einen vorher nichts als Feindschaft verbunden hat,
daß Feinde nicht Feinde bleiben müssen,
sondern auf einmal miteinander reden können.
Da gehört dann auch die Nation hintendran,
und der Sinn des Parlaments, das wir heute wählen, ist es,
herauszufinden, wie man dieses Ziel in Zukunft erreicht.
Parlament, das Wort kommt aus dem Französischen
und bedeutet nichts als Gespräch.
Zusammenkommen, um zu reden.
Nicht das Schlechteste,
wenn man sich nicht versteht.
Wir können noch weiter in die Geschichte zurückgehen
und tiefer ins Thema. 
Denn auch und vor allem Religion 
wird gern verwendet um Mauern und Zäune hochzuziehen. 
Alle Ayatollahs und Kreuzritter dieser Welt
lieben es, Gott im Munde zu führen,
um Gewalt gegen den Gegner zu rechtfertigen. 
Als Vertreter von Religion 
kann einen religiöse Gewalt krank machen.
Der Apostel, der den Brief 
an die Epheser geschrieben hat, der befürchtete, 
daß die Gräben in der Gemeinde schon zu tief waren,
zwischen den Ayatollahs auf beiden Seiten.
Er vermutete, daß nichts mehr zu retten sei,
zwischen den Christen, 
die sich für auserwählt hielten
und den Christen,
die ihr großartiges Glaubensleben 
vor sich hertrugen,
das waren die Judenchristen einerseits 
und die Heidenchristen andererseits.
Der Apostel war nicht wenig verzweifelt, 
über seine scheinheiligen Krieger,
das verrät seine komplizierte Sprache.
Er ruft seine zerstrittene Gemeinde 
zur Einheit in Christus,
also, daß beide Seiten anerkennen mögen,
daß sie jeweils zur Buße gerufen sind,
Vergebung für ihren Unfrieden brauchen
und auf den anderen zugehen müssen,
auch wenn es ihnen gegen den Strich geht.
Um das gemeinsame Haus zu bauen,
als lebendige Steine, 
die sich gegenseitig stützen und tragen. 
Ob ihm das gelungen ist,
das wissen wir nicht. 
Das ist nicht überliefert.
Aber der Brief wurde überliefert,
in die Bibel aufgenommen.
Immer wieder haben die größten Christen,
die frömmsten Herren und Damen
sich nicht verstanden, sich schrecklich zerstritten, 
und dann brauchten sie offenbar diese Erinnerung:
Daß der Herr sie zusammenbringt,
daß er ihnen noch eine Chance gibt,
auch wenn sie selbst keine mehr sehen.
Er schreibt:
“Er ist unser Friede, 
der aus beiden eins gemacht hat 
und hat den Zaun abgebrochen, 
der dazwischen war, 
indem er durch sein Fleisch 
die Feindschaft wegnahm.”
Er tritt für den Übeltäter ein, 
das heißt das mit dem Fleisch: am Kreuz. 
Der Herr gibt sein Leben, sein Fleisch,
damit ein anderer leben kann,
sein Fleisch, seine Glieder noch regen kann.
Der Herr ist unser Friede,
weil er die Grenze, die der Tod setzt, 
ins Leben verschiebt.
Da wo der Mensch nichts mehr gut machen kann,
da wird Gott alles gut machen, 
das Böse der Menschen in eine bessere Zukunft drehen.
Wir betrauern in diesen Tagen 
den Tod eines jungen Polizisten,
Opfer religiöser Gewalt.
Nichts kann man mehr tun.
Seine Zukunft 
ist abgeschnitten.
Wie kann man da 
von Vergebung,
und neuem Leben reden?
Deswegen würde ich 
eigentlich lieber schweigen,
fühle mich von unserem Bibeltext heute
moralisch bedrängt.
Ich bin traurig und entsetzt
und habe keine Gedanken des Friedens
über den Übeltäter, der das getan hat.
Aber das weiß ich: 
Bei Gott mag es anders sein,
der Gutes tun kann, wo wir nur Böses sehen,
der Leben aus dem Tod rufen kann. 
Die Ayatollahs und die Kreuzritter,
die schweigen ungern,
und von Vergebung reden sie,
wenn es ihnen nützt.
Sie reden lieber von Vergeltung.
Die nehmen das Todesopfer,
um die Todesstrafe zu fordern. 
Die lassen gar nicht zu,
daß Gott vielleicht ganz andere Gedanken 
haben könnte, über Übeltäter als sie.
Gott ist Teil ihres Hass-Systems,
ein Hass-Götze.
All die Jahrhunderte Krieg und Zwietracht 
unter Christen, Kreuzzüge und Hexenjagd
sind auch ein Ergebnis von gegenseitiger Verteufelung
von denen die sich für Auserwählt halten
und denen, die sich auf richtigen Seite glauben.
Manchmal wäre Schweigen hier zumindest Silber
und das Reden Gold, wie man dem Recht aufhilft,
Übeltäter zu entdecken, unschädlich zu machen,
also: Gewalt zu begrenzen, Frieden zu schaffen,
Zukunft und Zusammenleben zu eröffnen.
So wurde Religionsfriede geschlossen, 
zaghaft und halbherzig, 
aber die Waffen schwiegen.
Durch Verhandlung, miteinander reden
konnte Heilung werden.
Hexenjagd wurde beendet, 
langsam aber sicher hörte der Wahn auf,
weil Leute aufgehört haben, 
andere für ihr Unglück verantwortlich zu machen.
Reformation wurde angezettelt, 
weil Leute selbst die Bibel gelesen haben
und das nicht mehr den Aufpeitschern überlassen haben.
Aufklärung eröffnet durch das freie Gewissen.
Kranke wurden in Krankenhäusern behandelt,
durch das mitfühlende Herz.
Kinder wurden groß gebracht 
in Kriegszeiten, mit Hoffnung 
auf ein friedlicheres Morgen.
Und immer besser wurden sie vor Missbrauch geschützt,
ihre Menschenwürde durch die Verfolgung der Übeltäter geschützt. 
Das geht bis in die jüngste Vergangenheit,
so gut müssen wir dem Apostel von Ephesus zuhören, 
ja in der Bibel selbst nochmal nachlesen,
wozu wir erwählt sind, was unser Glaubensleben ausmacht.
Wie die Geschichte Frankreichs und Deutschlands zeigt,
ist nicht immer Krieg.
Wie die Geschichte des Zusammenwachsens
von Ost und West zeigt,
muss nicht alles von Zäunen und Mauern bestimmt sein.
Wie die Geschichte der Kirche zeigt,
ist nicht immer Heuchelei und Ausnutzung von gutem Glauben.
Also lassen wir uns auch in Zukunft überraschen,
von denen, von der anderen Seite.
Wählen wir heute unsere Seite, 
die Menschen, von denen wir das Beste
erwarten, nicht nur für unsere Anliegen,
sondern für Europa und unser Dörfchen.
Erwarten wir nicht nur das Schlimmste von denen, 
die wir heute noch als Feinde ansehen.
Es könnte sein, wir werden positiv überrascht.
Arbeiten wir an uns selbst,
hin und wieder, den Nachbarn zu überraschen
und selber rüberzugehen,
den Frieden aufzubauen.
Bauen wir das Vertrauen auf,
daß der Eckstein dabei,
auch das zusammenfügt
zu einem Haus,
was für uns 
noch nicht zusammenpasst.  Amen.

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Predigt 3. Advent 2022 über Jesaja 40,1-11 in Paaren
Gnade sei mit Euch und Friede von dem,
der da war, und der da ist und der da kommt!
Könnt Ihr Euch auch daran erinnern,
wie Ihr im Winter mit Schnee und Wasser im Hof
eine Schlitterbahn angelegt habt?
Wir nahmen Anlauf und glitten auf dem Eis,
die Arme weit ausgebreitet, je schneller, desto besser.
Lang ist es her. Eine Gaudi in der Jugend,
im Alter fast schon ein Schrecken: ausrutschen,
sich eventuell sogar verletzen.
Ich erinnere mich noch sehr deutlich,
daß ich mir einmal ein ordentliches Veilchen
auf so einer Schlitterbahn zugezogen habe.
Sehr anders die Bahn
von der der Prophet Jesaja hier spricht.
Eine Stimme in der Wüste ist er,
wo alles Gras verdorrt, die Täler sandig
und die Berge unwirtlich sind.
Aber der Gegensatz von Hitze und Kälter
ist nur eine Nebensache.
In der Wüste spricht der Prophet von Gottes Bahn!
Jemand kommt daher,
der nicht wackelt, schlittert oder hinfällt.
Es ist der Tröster und der Richter,
der Schöpfer, Herrscher und Hirte,
den der Prophet ankündigt.
Die Strauchelnden wird er trösten.
Die auf der schiefen Bahn
wird er zurechtbringen.
Die Irrenden wird er hüten,
die Welt in Ordnung bringen,
wie er es von Ewigkeit her vorgesehen hat,
und wie es bis in alle Ewigkeit sein wird.
Es sind Wendezeiten, Zeiten des Übergangs
und der Veränderung
in die unser Prophet hineinspricht.
Der Stern Babylons sinkt,
das Großreich wankt und schwankt,
wie ein großer Mensch auf der Schlitterbahn.
Normalerweise müssen es
die kleinen Leute büßen,
wenn die großen wanken.
Hier sind es die Israeliten,
die in dritter, vierter Generation
Gefangene Babylons sind,
die sich bange fragen:
“Was passiert mit uns,
wenn Babylon auf die Nase fällt?”
Tröstet, tröstet mein Volk! spricht der Herr.
Was ihr mit dem Aufsteigen und dem Fallen
von Großreichen seht, ist nichts anderes
als der Wechsel der Jahreszeiten.
Die Blumen, die in Wüste im Frühling
wunderbar geblüht haben,
sie sind im August dürres Stroh.
Der Mensch in seinem ganzen Wesen
kennt Jugend und Alter und Tod.
Ihr, die Ihr auf Eurer eigenen Bahn lauft,
Ihr solltet Euch bewußt sein, über eure eigene Endlichkeit,
über eure eigenen Irrtümer,
den Hochmut und das Elend.
Und Weltreiche kommen und gehen.
Ihre Herrscher setzen sich Statuen, bauen sich Paläste,
schmücken sich mit Panzern und mit Gold.
Alles wird einst Staub sein, wie Blatt und Blüte,
die der Wüstenwind davon trägt.
Aber das Wort Gottes, das bleibt ewig.
Das Versprechen auf unzerstörbare Wahrheit,
grundlose, unbedingte Liebe,
Leben, das immer wieder neu wird,
wie die Jahreszeiten, wie die Lebensalter,
aber weiter darüber hinaus,
Leben diesseits und jenseits.
Bei Gott geht keiner verloren.
Kein Unrecht bleibt unbemerkt
und soll gerichtet werden.
Keine Zukunft
soll verbaut bleiben.
Hier schlittert nichts.
Hier wackelt nichts.
Hier fällt nichts hin.
Was von Ewigkeit her richtig ist,
von Anbeginn der Schöpfung
das war gestern richtig,
wie wir aus der Geschichte lernen,
aus Fehlern und Erfolgen.
Das bleibt heute richtig,
wo wir unsere Entscheidungen treffen,
wird morgen Geltung haben,
wenn wir sehen, was richtig oder falsch war.
Und was am Anfang galt
wird auch am Ende aller Tage gelten
und danach, wenn wir
selbst schon lange Staub auf Erden sind.
Was auch der Grund der Hoffnung ist,
daß wir dann im Himmel
von Angesicht zu Angesicht schauen,
was wir heute nur glauben:
Güte und Gerechtigkeit,
die Lebendigkeit, die der liebe Gott in
die Schöpfung und seine Menschen gegeben hat,
in all ihrer Herrlichkeit und Schönheit.
Die unverlierbare Würde
eines jeden Menschenkindes.
Das bleibt in Ewigkeit.
Da wackelt nichts, da schlittert nichts.
Da fällt nichts hin.
Tröstet, tröstet mein Volk.
ruft der Prophet aus der Wüste
denn auch in unseren Winter,
mit seinen Aufgaben,
vor denen man sich innerlich fest machen muss,
mit seinen Nachrichten,
die einen schwankend machen.
Im Iran wurde ein junger Mann hingerichtet,
weil er “Krieg gegen Gott” geführt habe,
so das Urteil.
Aber Krieg gegen Gott führen die,
die Gottes Namen mißbrauchen
um andere zu unterdrücken oder zu töten.
Vor Gott werden sich alle zu verantworten haben,
besonders auch die,
die seinen Namen gern im Munde führen,
gleich welche Religion oder Ideologie
sie dabei benützen.
Kein Unrecht bleibt unbemerkt
und soll gerichtet werden.
Und wenn sie noch so fromm tun.
Es gibt einen Richter,
der dagegen gnädig ist mit allen,
die streng und ehrlich mit sich selber sind
und sich bessern, die seinen Willen achten,
seine Liebe ehren.
Es gibt einen Schöpfer,
der das Leben immer wieder neu hervorruft,
so kalt der Winter, so unbarmherzig die Wüste,
so mächtig der Tod auch sein mag.
Es gibt einen Herrscher,
mit unzerstörbarer Würde,
auch wenn die Menschen das Beste
was ihnen gegeben wird,
ans Kreuz nageln.
Eben damit.
Er ist der Beste, weil er alles für den anderen gibt.
Seine Würde hat von Ewigkeit her Bestand,
weil er sie einsetzt, seine Würde ganz einsetzt,
wenns drauf ankommt, für den anderen,
in letzter Konsequenz:
Was von Ewigkeit her gilt, es hat seinen Moment,
da gilt´s!
An seinem stellvertretend getragenen Kreuz,
mit dem er dem Sünder neue Würde zuteilt,
seine eigene: die Würde eines Gotteskindes
unverbaute Zukunft, Neuanfang.
Da schlittert nichts, da wackelt nichts.
Da ist nichts als ewige Güte,
das Mysterium der Liebe,
Leben, dass sich neu erfindet,
mitten in der Todeswelt,
Mitleid für die Opfer,
Umkehr für den Sünder,
Saat, die in der Wüste aufgeht.
Wenn Ihr heute auf die Straße tretet,
kann es gut sein, daß die glatt ist
und Ihr selbst ins Schlittern kommt.
Wenn Ihr heute die Nachrichten seht,
werdet Ihr das Schwanken der Mächtigen wahrnehmen
wie so oft, und vielleicht beschleicht
Euch wieder die Sorge,
wie deren Rutschpartie wohl enden mag
und welche kleinen Leute dafür wieder bezahlen.
Seid getrost.
Achtet auf Eure eigenen Schritte
durch diesen Advent,
wie auf einer Schlitterbahn.
Advent heißt heißt ja Ankommen.
Bei all, dem, was Dich hin und herwirft,
ist die Frage zum weiterdenken,
ob der Weg, den Du gehst,
von dem her kommt,
was ewig gilt,
und da ankommt,
wo es immer hin soll.
Inwiefern das,
was Du tust und was Du läßt
vor Gott, bestehen kann,
wie es dem guten Hirten
entspricht,
wie er selbst mit Dir
und mit anderen umgehen würde
in all seiner ernsten und wunderbaren Konsequenz.
Advent heißt Ankommen.
Auf Gottes Seite schlittert nichts,
da wackelt nichts und da fällt nichts.
Sieh also zu, daß Du die Bahn frei hast,
für das Ewige
das Wunder der Liebe,
das Geheimnis des Lebens
das bei Dir ankommen wird.
Wenn der Moment da ist,
und es gilt,
dann lass auch Du
es gelten!
Amen.
Predigt zum 1. Advent 2022 in Kartzow
 
Gnade sei mit Euch und Friede von Gott dem Vater,
dem Herren Jesus Christus in der Gemeinschaft
des Heiligen Geistes, Amen.
Habt Ihr diese Tage auch das Bild
von der deutschen Nationalmannschaft gesehen,
wie sie sich den Mund zugehalten haben,
bevor sie gegen Japan spielten.
Weil sie die Armbinde
mit dem Bekenntnis zur Diversität
nicht tragen durften setzten sie ein Zeichen
gegen die Zensur. Ich fand ja:
Es sah auch ein bißchen so aus,
wie “Ich muss mich gleich übergeben.”
Vielleicht auch ein verfrühter Kommentar zum folgenden Spiel.
Jedenfalls kann einem bei der Show um den Fußball,
der Zensur, und dem vielen Geld und der Heuchelei
drumherum durchaus übel werden.
Daran muss ich wieder denken, bei dem heutigen Predigttext.
Luther übersetzt da:
“Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt,
werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.”
Hier wirft der Herr der Gemeinde in Laodizäa Lauheit vor.
In heutiger Umgangssprache würde man sagen:
“Du bist nicht Fisch, du bist nicht Fleisch.
Mir wird ganz schlecht vor so viel Mittelmaß. Ich könnte …”
Was ist da los?
Was für eine Verstimmung gibt es da,
zwischen dem Herrn und der Gemeinde,
dass es ihm geradezu übel wird?
Ich gehe mal weiter und formuliere in heutigem Deutsch,
was wir vorhin in der Luther-Version gehört haben:
Du hältst Dich für was besseres,
liebe Gemeinde von Laodizäa.
Weil Du in einer reichen Stadt bist,
an einem coolen Ort
mit funktionierender Bank,
blühender Bekleidungsindustrie
und berühmter medizinischer Fakultät.
Für all das ist Eure Stadt Laodizäa
ja im ganzen römischen Reich bekannt.
In Euren Reihen
sind dann auch Textilfabrikanten, Bänker, Ärzte.
Das ist toll, aber nichts
worauf Ihr Euch was einbilden könnt.
Ihr seid ärmer und kränker und nackter als andere Gemeinden:
Die bilden sich weniger darauf einbilden,
was sie sind und was sie haben.
Laßt Euch von mir bekleiden,
läutern, laßt Euch die Augen öffnen.
Aus Liebe bin ich streng mit Euch.
Schaut, ich stehe doch die ganze Zeit vor der Tür,
klopfe, klingle, warte, warte, warte
weil ich Gemeinschaft mit Euch haben will,
warum laßt Ihr mich eigentlich nicht herein?
Sagt Jesus, durch den Propheten, der Gemeinde in Laodizäa.
Und durch die Bibel und den vorgeschriebenen Predigttext
zum ersten Advent sagt der Herr das auch uns.
Sind wir das: zum Ausspeien lau?
Nicht Fisch, nicht Fleisch, nicht heiß oder kalt?
Eine Minderheit sind wir,
10 % von der Gesamtbevölkerung:
Bestimmt nicht so stark und selbstbewußt
wie die Gemeindeältesten von Laodizäa.
Eine reiche Gemeinde sind wir nicht,
nicht viele Ärzte oder Textilfabrikanten
haben wir in unseren Reihen.
Auch können wir uns nicht auf die Besonderheit
einer Stadt berufen,
eher gespalten ist das Verhältnis zu Potsdam und zu Berlin.
Ja mehr, wir sind eine Gemeinde
in mehrere kleine Orten aufgespalten.
Natürlich hat jedes Dorf seinen Stolz, bestimmt Kartzow,
aber Einbildung, die sieht anders aus.
Und doch denke ich können wir etwas damit anfangen,
wenn Jesus fragt:
Warum laßt Ihr mich eigentlich nicht rein?
Warum seid Ihr Euch selbst genug,
mit dem, was Ihr seid und habt?
Alle Menschen, ich auch, drücken das Kreuz durch,
machen die Schultern locker, pflegen ihr Selbstvertrauen
vor den Herausforderungen des Lebens.
Und manchmal lächeln sie zugleich über das Gottvertrauen,
als sei Gott etwas Unsichereres als ihr eigenes Selbst.
Umgekehrt ist es.
Gott ist gewiß,
des Menschen Herz wankt und schwankt.
Vielleicht wollen auch deshalb alle Menschen
ihre Hände rühren, etwas tun, erschaffen,
anpacken und in Bewegung setzen, bloß nicht innehalten,
nicht nachdenken, nicht zur Ruhe kommen,
damit die Unsicherheit nicht hochkommt.
Es fällt ihnen schwer, die Hände zu falten,
obwohl sie so oft stöhnen: Oh Gott, hilf mir doch.
Ich fühle mich manchmal irgendwie schuldig,
beim Beten - ich möchte erst mal selbst tätig werden,
meine Verantwortung wahrnehmen,
bevor ich Gott die Verantwortung übergebe, denke ich.
Obwohl diesem die ganze Welt,
Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart gehört,
ich aber begrenzt und endlich bin und bleibe
und wenn ich mich noch so sehr anstrenge.
Die Hände müsste ich falten.
Diese Armut, Nacktheit, Krankheit,
die der Herr der Gemeinde in Laodizäa vorwirft,
die kann ich nachvollziehen,
für mich selbst, für meine Gemeinde:
Armut an Vertrauen.
Blöße am geistlichen Leben.
Krank vor Unbeweglichkeit.
Der eigene Dickkopf steht fest zementiert in der Mitte,
wo die Mitte frei bleiben sein sollte,
um Gottes Willen, für den Herrn des Lebens,
seinem Reich im Diesseits
und dann auch im Jenseits.
Als der zweite Weltkrieg vorbei war,
da setzten sich die Menschen von der Kirche zusammen,
und formulierten ein Schuldbekenntnis,
das Stuttgarter Wort.
“wir klagen uns an,
dass wir nicht mutiger bekannt,
nicht treuer gebetet,
nicht fröhlicher geglaubt
und nicht brennender geliebt haben. “
Sie hatten in der Nazizeit Kinder getauft,
Ehen gesegnet, Krippenspiele für den Heiligen Abend geprobt.
Brav hatte die Kirche ihren Dienst getan, aber geschwiegen,
als man die Nachbarn abgeholt hat,
weggesehen, als man die Juden verfolgt hat.
Nur noch wenige von uns können die Angst nachempfinden,
die die damals in der Situation der Bedrohung empfunden haben.
Und wie wichtig es war, sich in der Zeit der Gewalt
mit der Freude bei einem Krippenspiel zu stärken.
Aber wir können auch verstehen, was es heißt,
sich in Unsicherheit und Unfrieden wegzuducken,
wo man hätte treuer beten, mutiger glauben
und freier handeln müssen.
Die Tür ist zu, der Herr wartet draußen.
Abgeschlossen wie in einem Cocon, mit den Mächten dieser Welt
verläßt man alle guten Geister, die einen in den Himmel tragen,
was auch immer auf Erden geschehen mag.
Die Evangelischen heute
sind nur 10 % der Gesamtbevölkerung,
und von diesen 10 % sind wieder
nur 10 % so engagiert, wie sich das der Herr wünscht,
glühend in der Sprache der Offenbarung,
brennend in dem Bekenntnis der Kirche.
Bestimmt müsste ich deshalb den anderen 90 %
diese Predigt mit größerer Strenge halten, als Euch,
wenn sie denn zuhören würden.
Aber genug gejammert!
Es geht hier und jetzt um uns
und unsere Beziehung zu Gott.
Unsere innere Freiheit von den Mächten dieser Welt.
Unseren Dienst am Nächsten
und an der Schöpfung,
für den Herrn.
Wenn man nur 10 % ist,
dann hat man es leichter,
nicht Mainstream zu sein.
Dann hat man größere Chancen,
etwas Besonderes zu bieten.
Wir sind freier für Buntes, Lebendiges,
das die Güte und die Wahrheit des Glaubens
spürbar und erfahrbar macht.
Überraschend für die 90 %
in und außerhalb der Gemeinde.
Die erwarten von der Gemeinde das immer Gleiche,
irgendetwas Langweiliges, Verstaubtes.
Wir aber dürfen uns ausprobieren
und sie mit Neuem überraschen.
So wie auf einem Julfest
den lieben Advent anzusagen,
am Freitag in Fahrland.
Klein, bescheiden, aber lieb und fröhlich,
angemessen für Jung und Alt.
Und dieselbe Fröhlichkeit,
denselben Spaß und Beweglichkeit,
die brauchen wir auch nach innen.
In unserem Verhältnis als Ortsgemeinden zueinander.
In unserer Beziehung zu den zwei großen Städten
in unmittelbarer Nachbarschaft.
Gespalten ist das Verhältnis zueinander,
gespalten das zu den Städten.
Es wird eingekauft im Outlet-Center um die Ecke
und zugleich geschwelgt in einer Dorf-Romantik,
die es seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr gibt.
Das Schimpfen über die herandrängenden Städte einerseits,
und dann andererseits über fehlende Infrastruktur klagen,
wie zum Beispiel bei der geplanten Flüchtlingsunterkunft:
Das passt beides nicht gut zusammen,
klingt für mich ein bißchen nach:
“So wie es mir am Besten in den Kram passt.”
Ähnlich die verständliche Klagen über den Flächenfraß
und zugleich überzogene Klage gegen Neubauten der erneuerbaren Energie:
“Wasch mich, aber mach mich nicht naß.”
Bei all den Themen gehört etwas anderes in die Mitte
als das eigene Verständnis, der eigene Wille,
nämlich klassische Sachlichkeit.
Das Vertrauen, daß es bei allen Interessenkonflikten,
allen Verteilungsfragen, allen politischen Rücksichtnahmen,
doch sachliche, richtige Lösungen gibt.
Lösungen, die nicht allen Wünschen und Sorgen
gerecht werden können, aber der Sache.
Vielleicht kommt ja ein Gespräch in unserer Gemeinde in Gang,
über Flüchtlingsunterkunft und Photovoltaik,
in dem wir uns nicht danach leiten lassen,
wovor wir Angst haben, oder was uns in den Kram passt,
sondern davon, was sachlich richtig, notwendig und geboten ist.
Als eine Gemeinde aus unterschiedlichen Ortsgemeinden
ist unsere größte Stärke das jeweilige örtliche Engagement,
aber darin liegt auch eine Schwäche,
die Gefahr der Spaltung und Verzettelung.
Unsere 10 % Engagierten im 10 % Prozent Bevölkerungsanteil
haben jeweils eine herrliche Kirche in der Mitte:
In Falkenrehde alle guten Geister,
in Fahrland Größe und Gemeindehaus.
In Satzkorn die Erzählkirche,
in Paaren die Gesprächskirche
und in Kartzow die Hochzeitskirche,
mit herrlicher Wiese davor.
Aber alle Kirchen ohne Sinn ohne Menschen.
Ohne Menschen, wie Euch.
die dem Herrn ihre Herzen öffnen.
Und ihn in die Mitte lassen,
darauf warten, daß er ihnen das Brot bricht,
den Weinkelch reicht.
Das zu hören und das zu erfahren,
was von Ewigkeit zu Ewigkeit her gilt.
An jedem Ort macht der Herr die Qualität aus,
also inwiefern wir von uns selbst absehen,
unseren Zielen, unseren Ängsten,
unserem Stolz und unserem Hochmut
und ihm die Tür aufmachen,
seine Liebe fühlen, die der er uns
und den anderen, die Fremden hereinbringt,
wenn er mit uns allen, Nahen und Fernen das Mahl halten wird.
Und damit zum Schluss:
Mehr kommen dazu.
Wir wachsen, liebe Gemeinde.
Diese Gemeinde wird größer.
Ständig gewinnen wir neue Gemeindemitglieder dazu.
Überall werden die Gemeinden kleiner,
im Berliner Speckgürtel wachsen wir.
Die Neuen ziehen in die Neubaugebiete,
und das wird zunehmen. Stark zunehmen.
Ihr fragt mich jetzt vielleicht:
Was haben wir mit denen zu tun?
Warum kommen die nicht hierher?
Und viele Antworten auf diese Frage
müssen wir uns nicht anziehen.
Das sind junge Menschen, die sehr mobil sind,
hier und da, an vielen unterschiedlichen Orten,
gerade auch in den großen Städten ihr Leben,
ihre Spiritualität, ihre Freizeit und Freundschaften festmachen
und hier bezahlbar und sicher wohnen wollen, oft nicht mehr.
Aber so wie zu allen Zeiten
seit der Herr Laodizäa die Leviten gelesen hat,
ist das eine sehr gute Frage:
Was haben wir mit denen zu tun?
Warum kommen die nicht hierher?
Wir sollten uns hüten, so lau sein,
uns selbst genug zu sein und die Leut aus diesem stillen Kämmerlein heraus beurteilen,
ohne ihnen draußen begegnet zu sein.
Und die Beweglichkeit von ihnen zu erwarten
ohne uns selbst zu bewegen.
Im Gegenteil, wir dürften so selbstbewußt sein
selbst fähig zu bleiben,
uns positiv überraschen zu lassen,
inwiefern der Herr uns durch die Fremden einlädt,
seine Güte und Wahrheit kosten zu lassen,
seine Inspiration zu erfahren.
Die Gemeinde darf die gute Botschaft nicht schuldig bleiben,
insbesondere den Kirchenfernen.
Die Einladung des Herrn zum großen Abendmahl,
in die große, weite Gemeinschaft
im Himmel und auf Erden, die geht aber geht auch
durch manche neue Entwicklung
durch manche neue Leute
direkt an uns.
Überraschend,
aufregend, belebend,
inspirierend.
Wer weiß, welche neue Formen von Gemeindeleben
in den nächsten Jahren sich hier bei uns entwickeln werden?
Ich bin neugierig darauf,
das hat mich von Australien aus schon gereizt
und war mir ein Anliegen bei der Bewerbung.
Machen wir diesen Advent dem Herrn
die Türen auf, freuen wir uns auf seine Ankunft
auf sein großes herrliches Abendmahl,
und wie der das mit uns und den anderen feiern wird,
immer und überall, heute und morgen,
diesseits und jenseits, im Sterben und im Leben, Amen.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft,
der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus
unserm Herrn, Amen.
Die Urchristenheit rief den Herrn an,
Daß er komme und sich ihrer erbarme
mit den aramäischen Worten:
Maranatha: Unser Herr komm!
Laßt uns miteinander Fürbitte halten,
Gemeinsam mit den Worten
Unser Herr komm.
Unser Herr: komm!
...in unsere stolze Welt
die Menschen Demut lehren.
und Dankbarkeit.
Nimm sie bei der Hand
bring sie zusammen zum Dienst
an allen Geschöpfen,
durch Verzicht und Fasten
vom Weg des Menschen.
Also den Tieren mit Schutz,
dem Wald mit Ruhe,
den Flüssen mit Sauberkeit,
dem Ozean mit Stille.
Laßt uns gemeinsam den Herrn anrufen
und sagen:
Unser Herr komm
...in unsere engen Herzen
Zünde alle Lichter darin an,
und mach ein Feuer im Kamin.
Daß wir Erleuchtung
und Begeisterung erfahren,
Deine Güte auszubreiten:
Gelangweilte erfreuen,
Feinde versöhnen,
Traurige trösten,
Irrende mahnen,
Gleichgültige zum Glauben einladen.
Laßt uns gemeinsam den Herrn anrufen
und sagen:
Unser Herr komm
...in unsere Gemeinde,
nicht als Gast
sondern als Hausherr,
rede und wir hören,
befiehl und Dein Wille geschehe,
dann haben wir hier:
Sicherheit für Verfolgte,
Gerechtigkeit für Arme,
Gemeinschaft für Einsame,
Weisung für Kinder,
Frieden für Alte,
Demut für Stolze.
Maranatha das ist die Sprache,
die der Herr von seiner Mutter lernte,
das ist aramäisch und bedeutet:
Unser Herr: komm!
Neu: Seelsorge mit auswendig bekannten Liedern:
Volksliedandachten 32 S.pdf
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"...zur Freiheit hat uns Christus befreit..."

Gal 5,1

Christoph Dielmann

geb. 1968

verheiratet mit Grit  

zwei erw. Kinder  

 

Gemeindepfarrer 

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© Christoph Dielmann